Was ist eine Panikattacke?
von Klaus Bernhardt· Stand: 2. Oktober 2026

Eine Panikattacke ist eine plötzlich einsetzende, äußerst intensive Angstreaktion, die sich sowohl körperlich als auch psychisch äußern kann. Betroffene erleben oft ein starkes Gefühl der Bedrohung oder Angst, obwohl objektiv betrachtet keine akute Gefahr besteht. Diese Attacken treten meist unerwartet und ohne klaren Grund auf.
Wer die Anzeichen und Symptome von Panikattacken kennt, kann früher Hilfe suchen und besser mit den Attacken umgehen. Da Panikattacken nicht nur das Leben der Betroffenen selbst, sondern auch ihr soziales Umfeld stark beeinflussen können, ist ein grundlegendes Verständnis für die Thematik äußerst wichtig.
Alle Themen im Überblick
- Woran erkennt man eine Panikattacke?
- Häufige Symptome von Panikattacken
- Ursachen und Auslöser einer Panikattacke
- Diagnose von Panikattacken
- Behandlungsmöglichkeiten
- Umgang mit Panikattacken
- Nachwirkungen von Panikattacken
- Hilfe und Unterstützung
- FAQ: Häufige Fragen zu Panikattacken
- Fazit
- Wissenschaftliche Quellen zum Thema Panikattacken
Woran erkennt man eine Panikattacke?
Eine Panikattacke beschreibt eine Phase intensiver Angst oder Furcht, begleitet von körperlichen Reaktionen wie Herzrasen und Schweißausbrüchen. Sie unterscheidet sich von anderen Angstzuständen vor allem durch ihren abrupten Beginn und ihre hohe Intensität. Während eine generelle Angststörung meist länger andauert und sich schleichend entwickelt, entsteht eine Panikattacke plötzlich, oft ohne Vorwarnung, und erreicht oft innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt.
Unterschied zu anderen Angstzuständen:
- Generalisierte Angststörung: Anhaltende, diffuse Angst, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt.
- Phobien: Angst, die auf ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Situation (z. B. Höhenangst) begrenzt ist.
- Panikstörung: Regelmäßiges Auftreten von Panikattacken, oft mit der Angst vor weiteren Attacken.
Bei einer Panikattacke können mehrere dieser Elemente zusammenkommen, was die Identifizierung für Laien oft erschwert. Ein genaues Hinsehen auf die Symptome ist daher entscheidend.
Wie häufig sind Panikattacken? Panikattacken sind verbreitet: In einer großen US-Befragung hatten etwa 23 von 100 Erwachsenen im Laufe ihres Lebens Panikattacken, ohne dass daraus eine Panikstörung wurde. Eine Panikstörung mit wiederkehrenden Attacken betrifft deutlich weniger Menschen: In Deutschland erfüllten etwa 2 von 100 Erwachsenen innerhalb eines Jahres die Kriterien, Frauen etwa 2,8 Prozent, Männer etwa 1,2 Prozent (Kessler et al. 2006; Jacobi et al. 2014; Leitlinie 2021).

Häufige Symptome von Panikattacken
Panikattacken können vielseitige Symptome hervorrufen, die sowohl körperliche als auch psychische Bereiche betreffen. Sie können vereinzelt auftreten oder sich zu einem ganzen Symptombild summieren. Besonders wichtig ist es, auch sogenannte Symptome stiller Panikattacken zu erkennen, die auf den ersten Blick weniger dramatisch wirken, bei Betroffenen jedoch starke innere Unruhe auslösen können.
Körperliche Symptome
- Herzklopfen, Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag: Viele Betroffene spüren ein starkes Pochen in der Brust, was häufig die Angst vor einem Herzinfarkt schürt.
- Schweißausbrüche: Das plötzliche Schwitzen ist oft stark ausgeprägt und kann am ganzen Körper auftreten.
- Zittern und Beben: Der Körper schaltet bei Angst in den Alarmmodus, dabei spannen sich die Muskeln an.
- Atemnot oder Erstickungsgefühle: Betroffene berichten oft von dem Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können.
- Brustschmerzen: Schmerz oder Enge im Brustbereich wird oft mit Herzproblemen verwechselt.
- Schwindel, Benommenheit: Ein schwankendes Gefühl oder das Gefühl, bewusstlos zu werden, ist keine Seltenheit.
- Kälte- oder Hitzewallungen: Schwankende Körpertemperaturen sind häufig, manchmal begleitet von Gänsehaut.
- Übelkeit oder Bauchbeschwerden: Auch der Magen-Darm-Trakt reagiert auf die Alarmreaktion des Körpers.
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle: Oft in Händen, Füßen oder im Gesicht.
Psychische Symptome
- Intensive Angst oder Furcht: Die Furcht vor Kontrollverlust, vor dem Verrücktwerden oder vor dem Tod (z. B. durch Herzinfarkt oder Ohnmacht).
- Depersonalisation: Ein Gefühl, nicht man selbst zu sein oder den eigenen Körper nicht richtig zu spüren.
- Derealisation: Die Umwelt erscheint unwirklich oder verzerrt.
- Anhaltende Anspannung („Panikattacken Symptome den ganzen Tag“): Zwischen und nach Attacken fühlen sich manche Betroffene über Stunden angespannt und fürchten die nächste Attacke (Erwartungsangst). Das ist keine einzelne Panikattacke mehr, selbst wenn die eigentliche Attacke nur wenige Minuten andauert, und sollte ärztlich oder psychotherapeutisch besprochen werden.
Stille Panikattacken
Mit „stiller Panikattacke“ sind im Alltag meist Attacken gemeint, bei denen von außen kaum etwas zu sehen ist. In der Fachsprache heißt eine Attacke mit weniger als vier der typischen Symptome „Attacke mit begrenzter Symptomzahl“. Bei einer stillen Panikattacke sind die Symptome weniger stark oder weniger sichtbar. Statt lautem Herzrasen und starkem Zittern treten zum Beispiel nur Herzklopfen, Schwindel oder ein Engegefühl auf, begleitet von plötzlicher Angst. Diese Art von Panikattacke wird von außen oft nicht wahrgenommen, kann für die Betroffenen jedoch genauso belastend sein.
Ursachen und Auslöser einer Panikattacke
Die genauen Gründe für das Auftreten von Panikattacken sind noch nicht vollständig geklärt. Allerdings gibt es einige bekannte Faktoren, die das Risiko erhöhen können:
- Genetik: Panikstörungen kommen in Familien gehäuft vor. Verwandte von Betroffenen haben ein mehrfach höheres Risiko, selbst zu erkranken. Nach Zwillingsstudien erklären Erbanlagen etwa 40 Prozent der Unterschiede im Erkrankungsrisiko. Ein einzelnes „Panik-Gen“ gibt es nicht, vermutlich sind mehrere Gene beteiligt. Wer erkrankt, hängt auch von Umwelt und Erfahrungen ab (Hettema et al. 2001; Leitlinie 2021).
- Stress und belastende Lebensereignisse: Ob Jobverlust, Beziehungsprobleme oder traumatische Ereignisse: Anhaltender Stress kann ein Auslöser sein.
- Körperliche Erkrankungen: Eine Schilddrüsenüberfunktion kann Beschwerden wie Herzrasen, Zittern und Schwitzen verursachen, die einer Panikattacke ähneln. Studien finden außerdem, dass Schilddrüsenerkrankungen und Angststörungen häufig gemeinsam auftreten. Deshalb gehört eine Blutuntersuchung der Schilddrüsenwerte zur ärztlichen Abklärung (Fischer & Ehlert 2018).
- Botenstoffe im Gehirn: Dass ein einfacher Mangel an Botenstoffen wie Serotonin Panikattacken auslöst, ist zwar noch häufig zu lesen, aber nicht gesichert. Das Serotoninsystem scheint beteiligt zu sein, die genauen Zusammenhänge sind noch unklar (Leitlinie 2021; Maron & Shlik 2006).
- Persönliche Veranlagung: Wer körperliche Anspannung wie Herzklopfen oder Schwindel leicht als bedrohlich deutet (Fachleute sprechen von Angstsensitivität), erlebt später häufiger Panikattacken. Auch Perfektionismus und ein starkes Kontrollbedürfnis werden als mögliche Einflüsse diskutiert, gesichert ist das nicht (Schmidt et al. 2006).
- Angst vor der Angst: Wer bereits Panikattacken erlebt hat, lebt oft in der ständigen Furcht vor einer weiteren Attacke. Ein Teufelskreis, an dem eine Psychotherapie gezielt ansetzen kann.
- Panikattacken als Liebesdienst der Psyche: Klaus Bernhardt versteht Panikattacken in seiner Arbeit häufig nicht als etwas Krankhaftes, sondern als Liebesdienst des Unterbewusstseins, das Betroffene vor größerem Schaden bewahren will. Viele Betroffene erleben, dass die Attacken schwächer werden, sobald sie erkannt haben, wovor die eigene Psyche sie schützen will. Das ist eine Deutung aus der Praxis. Lassen Sie körperliche Ursachen trotzdem in jedem Fall ärztlich abklären.

Diagnose von Panikattacken
Um Panikattacken eindeutig zu diagnostizieren, führen Fachärzte, Psychotherapeuten oder Heilpraktiker für Psychotherapie verschiedene Schritte durch. Zunächst findet meist ein ausführliches Gespräch statt, bei dem die Symptome und die Lebenssituation genauer betrachtet werden. Häufig kommt zusätzlich ein Panikattacken-Test oder ein standardisierter Fragebogen zum Einsatz, um die Intensität und Häufigkeit der Attacken zu erfassen.
Untersuchungen beim Arzt
- Körperliche Untersuchung und Labor: Ausschluss körperlicher Ursachen wie Schilddrüsenüberfunktion oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. mit Blutbild, Blutzucker, Salzwerten (Elektrolyten) und Schilddrüsenwert (TSH).
- EKG: Bei Herzbeschwerden oder Brustschmerz, um das Herz als Ursache auszuschließen. Je nach Beschwerden kommen weitere Untersuchungen dazu, z. B. der Lunge.
Ergibt sich kein Hinweis auf eine organische Erkrankung, wird die Diagnose Panikattacke oder Panikstörung in Betracht gezogen, speziell dann, wenn die Attacken wiederholt auftreten. Von einer Panikstörung spricht man, wenn die Attacken wiederholt und scheinbar ohne Anlass auftreten und über mindestens einen Monat die Sorge vor weiteren Attacken oder ein verändertes Verhalten bleibt.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Panikattacken kann unterschiedlich aussehen und hängt von den Bedürfnissen des Einzelnen ab. Die ärztliche Leitlinie (Stand 2021) empfiehlt, Betroffenen sowohl Psychotherapie als auch eine medikamentöse Behandlung anzubieten. Welchen Weg Sie gehen, entscheiden Sie nach ausführlicher Aufklärung gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Therapeuten. Wenn eines allein nicht ausreichend hilft, kann auch eine Kombination sinnvoll sein.
Psychotherapeutische Verfahren
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hilft dabei, negative Denkmuster zu erkennen und zu verändern. Betroffene lernen, Ängste zu hinterfragen und zu relativieren.
- Konfrontationstherapie: Konfrontiert die Betroffenen behutsam mit angstauslösenden Situationen, um die erlernte Angstreaktion abzubauen.
- Entspannungsverfahren: Techniken wie Atemübungen, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, sich zu beruhigen. Als eigene Behandlung der Panikstörung nennt die Leitlinie sie nicht, und bei manchen Menschen lösen Entspannungsübungen anfangs sogar Angstsymptome aus.
- Neurowissenschaftlich begründete Verfahren: Bildgebende Studien zeigen, dass kognitive Verhaltenstherapie die Aktivität in Hirnregionen verändert, die an Angst und ihrer Kontrolle beteiligt sind (Brooks & Stein 2015). Auf solchen Erkenntnissen bauen neuere Ansätze auf, mit denen Angstpatienten ihre negativen Denkmuster leichter verändern sollen. Ein Beispiel dafür ist die Bernhardt-Methode, die am Institut für moderne Psychotherapie in Berlin entwickelt wurde. Eine eigene Studie zur Wirksamkeit der Methode als Ganzes gibt es bisher nicht.

Medikamente
- Antidepressiva (SSRIs, SNRIs): Werden häufig zur langfristigen Stabilisierung eingesetzt. Bei der Panikstörung ist ihr Nutzen belegt: Die ärztliche Leitlinie (Stand 2021) nennt SSRI und SNRI als Medikamente der ersten Wahl. Zugleich können Nebenwirkungen auftreten. Ob ein Medikament für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrem Arzt.
- Benzodiazepine: Diese Beruhigungsmittel wirken schnell, machen aber abhängig und werden deshalb in der ärztlichen Leitlinie (Stand 2021) bei Angststörungen nicht als Behandlung empfohlen. Nur in begründeten Ausnahmefällen werden sie kurz und befristet verordnet, in der Regel für wenige Wochen. Wenn Sie solche Mittel einnehmen, setzen Sie sie nicht selbst ab, sondern besprechen Sie das Vorgehen mit Ihrem Arzt.
- Akutmittel bei Panikattacken: In der akuten Situation ist nach der Leitlinie (Stand 2021) nur selten eine besondere Behandlung nötig, oft beruhigt schon die Anwesenheit eines Arztes oder Psychologen. Da starke Beruhigungsmittel nur in Ausnahmefällen und kurzfristig in Frage kommen, spielen Stopp-Techniken gegen Angst und Panik eine wichtige Rolle. Mit diesen Techniken lernen Betroffene, aufkommende Panik zu unterbrechen. Üben Sie sie zuerst in ruhigen Momenten, am besten unter Anleitung, damit Sie im Ernstfall darauf zurückgreifen können.
- Pflanzliche Mittel gegen Panikattacken: Es gibt mehrere pflanzliche Wirkstoffe, die bei Panikattacken und Angstzuständen unterstützend wirken können. Diese beruhigenden und angstlösenden Heilpflanzen werden oft in Form von Tee, Tinkturen, Extrakten oder Kapseln genutzt. Bei Panikattacken können Lavendelöl und Passionsblume hilfreich sein. Bei länger anhaltenden Angstzuständen werden manchmal Johanniskraut und Ashwagandha eingesetzt. Johanniskraut kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Umgang mit Panikattacken
Der tägliche Umgang mit Panikattacken kann eine Herausforderung sein. Folgende Strategien können Sie ergänzend zu einer Behandlung ausprobieren, um ihre Häufigkeit zu reduzieren und die Kontrolle zurückzugewinnen.
- Atemübungen: In einer akuten Situation können langsame, ruhige Atemzüge helfen, die innere Unruhe zu lindern.
- Achtsamkeit und Entspannung: Regelmäßiges Praktizieren von Yoga, Meditation oder progressiver Muskelentspannung trägt zu mehr Gelassenheit bei.
- Sport und Bewegung: Körperliche Aktivität reduziert Stress und kann Angstgefühle mindern. Die Leitlinie nennt Ausdauersport (z. B. dreimal pro Woche 5 Kilometer laufen) als mögliche ergänzende Maßnahme.
- Stressmanagement: Bewusste Auszeiten, Zeitmanagement und realistische Zielsetzungen sorgen für weniger Dauerstress.
- Positives Denken trainieren: Negative Gedankenmuster erkennen und aktiv durch positivere Überzeugungen ersetzen.
- Neurowissenschaftliche Stopp-Techniken: Die Bernhardt-Methode arbeitet mit einfach anzuwendenden Musterunterbrechern, die auf Erkenntnissen der Hirnforschung aufbauen und mit denen Betroffene aufkeimende Panik unterbrechen können. Die bekanntesten sind die Zoom-Technik, die auditive Schiebetechnik oder die Pitching-Technik. Eine eigene Studie zu diesen Techniken gibt es bisher nicht. Therapeuten, die diese Techniken vermitteln, finden Sie auf unserer Startseite unter Zertifizierte Therapeuten. Interessierte können sich jedoch auch über einen Online-Videokurs selbst die nötigen Informationen beschaffen.
Nachwirkungen von Panikattacken
Nachwirkungen einer Panikattacke können sowohl physischer als auch psychischer Natur sein:
- Erschöpfung: Nach einer Attacke fühlen sich viele Menschen müde und kraftlos, denn der Körper war im Alarmzustand.
- Ängste und Vermeidungsverhalten: Die Furcht vor einer erneuten Attacke führt dazu, dass Betroffene bestimmte Situationen oder Orte meiden.
- Langanhaltende innere Unruhe: Auch wenn die akute Attacke vorbei ist, bleibt oft ein Gefühl der Anspannung bestehen.
Langfristig können sich diese Nachwirkungen auf das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität auswirken. Deshalb ist es auch so wichtig, frühzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Hilfe und Unterstützung
Betroffene von Panikattacken müssen diesen Kampf nicht allein führen. Es gibt eine Vielzahl an Anlaufstellen und Angeboten, die helfen können.
- Psychotherapie: Regelmäßige Sitzungen helfen, die Ursachen der Angst zu verstehen und gezielt daran zu arbeiten.
- Selbsthilfegruppen: Ein Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr entlastend sein. Hier werden Erfahrungen geteilt und gegenseitige Unterstützung angeboten. Die Leitlinie empfiehlt, über Selbsthilfegruppen zu informieren und zur Teilnahme zu motivieren, wenn es passt.
- Online-Angebote und Apps: Zahlreiche Plattformen bieten Informationen und Übungen, um den Umgang mit Panikattacken zu erleichtern. Online-Programme und Bücher zur Selbsthilfe können die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken oder eine Behandlung begleiten. Als alleinige Behandlung einer Panikstörung werden sie nicht empfohlen.
- Telefonseelsorge: In akuten Krisen erreichen Betroffene und Angehörige die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111. Im Notfall wählen Sie 112.

FAQ: Häufige Fragen zu Panikattacken
Wie lange dauert eine typische Panikattacke?
Meistens klingen Panikattacken innerhalb von 5 bis 30 Minuten ab. Viele Betroffene erleben danach oder zwischen den Attacken Anspannung und die Sorge vor der nächsten Attacke (Erwartungsangst).
Was sind die Symptome stiller Panikattacken?
Bei stillen Panikattacken ist die äußere Reaktion weniger sichtbar. Betroffene empfinden eine starke innere Unruhe, fühlen sich benommen und können Herzklopfen spüren, ohne dass dies für Außenstehende offensichtlich ist.
Kann eine Panikattacke den ganzen Tag anhalten?
Eine einzelne Panikattacke klingt meist innerhalb von Minuten wieder ab. Viele Betroffene erleben danach oder zwischen den Attacken Anspannung und die Sorge vor der nächsten Attacke, was umgangssprachlich manchmal als „Panikattacken Symptome den ganzen Tag“ beschrieben wird. Hält die Angst über Tage an oder tritt sie ohne klare Attacken auf, sollten Sie das ärztlich abklären lassen, denn dann kommen auch andere Angststörungen in Frage.
Gibt es einen Panikattacken-Test, um Sicherheit zu bekommen?
Online-Fragebögen können erste Anhaltspunkte liefern, ersetzen jedoch nicht die Diagnose durch einen Arzt oder Psychotherapeuten. Wer regelmäßig unter starkem Herzrasen, Atemnot oder Angstzuständen leidet, sollte professionelle Hilfe suchen.
Gibt es Akutmittel bei Panikattacken?
Bei einer akuten Panikattacke ist nach der Leitlinie nur selten eine besondere Behandlung nötig, oft beruhigt schon die Anwesenheit eines Arztes oder Psychologen. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wirken zwar schnell, bergen aber ein hohes Abhängigkeitsrisiko und kommen nur in begründeten Ausnahmefällen und kurzzeitig in Frage, immer unter ärztlicher Begleitung. Viele Betroffene lernen zudem neurowissenschaftliche Stopp-Techniken, um Panik zu unterbrechen. Diese relativ neue Art, mit Angst umzugehen, lässt sich z. B. über Online-Videokurse erlernen.
Sind Panikattacken gefährlich?
Eine Panikattacke ist unangenehm und beängstigend, richtet aber keinen körperlichen Schaden an. Treten Brustschmerzen oder Atemnot zum ersten Mal auf, sollten Sie sie dennoch ärztlich abklären lassen, um eine körperliche Ursache auszuschließen. Unbehandelt können wiederkehrende Attacken das Leben stark einschränken. Eine rechtzeitige Behandlung ist daher wichtig.
Was kann ich tun, wenn eine Panikattacke beginnt?
Bewusstes Ein- und Ausatmen, sich auf den eigenen Körper konzentrieren und ggf. vertraute Personen informieren. Ablenkung, z. B. ein kurzer Spaziergang, kann ebenfalls helfen, die Intensität der Attacke zu reduzieren.
Kann man Panikattacken verhindern?
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht. Wer unter Dauerstress steht, kann seine Anfälligkeit mit Entlastung, ausreichend Schlaf und Bewegung wahrscheinlich verringern, belegt ist das für Panikattacken aber nicht. Wer bereits Attacken erlebt hat, profitiert nach der Leitlinie von Psychotherapie und gegebenenfalls ergänzend von Ausdauersport. Da Panikattacken nach Klaus Bernhardt mitunter auch nur ein Liebesdienst der Psyche sein können, um Betroffene vor größerem Schaden zu bewahren, ist es zudem hilfreich, sich zu überlegen, ob und wo man eventuell schon länger wider besseres Wissen handelt.
Fazit
Panikattacken sind unangenehm und oft beängstigend, eine Panikstörung ist aber in vielen Fällen gut behandelbar. Psychotherapie, vor allem kognitive Verhaltenstherapie, und bestimmte Medikamente sind in der ärztlichen Leitlinie (Stand 2021) als wirksam eingestuft. Wie schnell und wie stark sich die Beschwerden bessern, ist bei jedem Menschen unterschiedlich, und Rückfälle sind möglich. Ein klarer Blick auf mögliche Symptome, auch auf stille und anhaltende Formen, hilft, früh Unterstützung zu suchen. Niemand muss mit Panikattacken allein bleiben: Hilfe gibt es in Form von ärztlicher und psychotherapeutischer Unterstützung, in Selbsthilfegruppen sowie durch Online-Angebote und Notfallhotlines.
Wichtiger Hinweis
Unsere Informationen ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose und Behandlung. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab und ändern Sie die Dosis nicht selbst. In einer akuten Krise erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, im Notfall wählen Sie 112.
Wissenschaftliche Quellen zum Thema Panikattacken
Die Quellen sind nach Themen geordnet. Studien und Fachbeiträge helfen bei der Einordnung, sie ersetzen keine ärztliche Beratung.
1. Leitlinien & Fachgesellschaften
- S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (Version 2.0, Stand 04/2021, derzeit in Überarbeitung).
- Bandelow, B. et al.; federführend Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften und Organisationen, AWMF-Registernummer 051-028.
- Enthält evidenzbasierte Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Panik- und anderen Angststörungen. Zur Leitlinie im AWMF-Register
- NICE Clinical Guideline CG113: Generalised anxiety disorder and panic disorder in adults: management (2011, zuletzt aktualisiert 2020).
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE), Großbritannien.
- Bietet Empfehlungen für das Vorgehen im Gesundheitswesen bei Panikattacken und Panikstörungen. Zur Leitlinie
- DSM-5-TR (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage, Textrevision)
- American Psychiatric Association (APA).
- Das DSM-5-TR ist ein international anerkanntes Klassifikationssystem für psychische Störungen und definiert ausführlich die Kriterien für Panikattacken und Panikstörungen. Zur Verlagsseite
2. Fachbücher & Standardwerke
- Bernhardt, K. (2017). Panikattacken und andere Angststörungen loswerden: Wie die Hirnforschung hilft, Angst und Panik für immer zu besiegen.
- München: Ariston Verlag. ISBN 978-3-424-20177-2.
- Ratgeber und Spiegel-Bestseller mit neurowissenschaftlich begründeten Übungen zur Selbsthilfe bei Angst und Panik, Grundlage der Bernhardt-Methode.
- Barlow, D. H. (2002). Anxiety and Its Disorders: The Nature and Treatment of Anxiety and Panic (2. Aufl.).
- New York: Guilford Press.
- Umfassendes Standardwerk, das sich intensiv mit den verschiedenen Facetten von Angststörungen, einschließlich Panikstörung, auseinandersetzt.
- Margraf, J. & Schneider, S. (2018). Panikstörung und Agoraphobie.
- In: J. Margraf & S. Schneider (Hrsg.), „Lehrbuch der Verhaltenstherapie“, Band 2 (S. 3–27).
- Berlin, Heidelberg: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54909-4_1
- Dieses Kapitel ist speziell auf Panikattacken sowie Agoraphobie (Angst vor offenen Räumen) fokussiert und bietet praxisnahe Therapiekonzepte.
- Clark, D. A. & Beck, A. T. (2009). Cognitive Therapy of Anxiety Disorders: Science and Practice.
- New York: Guilford Press. Zur Verlagsseite
- Detaillierte Beschreibung kognitiver Ansätze bei verschiedenen Angststörungen, darunter auch Panikattacken.
- Craske, M. G. & Barlow, D. H. (2014). Panic disorder and agoraphobia.
- In: D. H. Barlow (Hrsg.), „Clinical Handbook of Psychological Disorders“ (5. Aufl., S. 1–61).
- New York: Guilford Press.
- Wissenschaftlich fundierte Darstellung der Diagnostik und Behandlung von Panikstörungen.
3. Wissenschaftliche Artikel & Studien
- Roy-Byrne, P. P., Craske, M. G., & Stein, M. B. (2006).
- Panic disorder. The Lancet, 368(9540), 1023–1032. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(06)69418-X
- Übersichtsartikel über Ursachen, Diagnose und Behandlung von Panikstörungen.
- Hettema, J. M., Neale, M. C., & Kendler, K. S. (2001).
- A review and meta-analysis of the genetic epidemiology of anxiety disorders. American Journal of Psychiatry, 158(10), 1568–1578. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.158.10.1568
- Zeigt die genetischen Komponenten und Vererbbarkeit von Angststörungen einschließlich Panikstörung.
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- Expectancy model of fear. In: S. Reiss & R. R. Bootzin (Hrsg.), Theoretical issues in behavior therapy.
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- Das Modell beschreibt, wie Erwartungsängste (z. B. „Angst vor der Angst“) Panikattacken aufrechterhalten können.
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- Große US-Befragung zur Häufigkeit von Panikattacken und Panikstörung.
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- Zeigt, dass Angstsensitivität spätere Panikattacken vorhersagt.
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- Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul Psychische Gesundheit (DEGS1-MH). Der Nervenarzt, 85(1), 77–87. https://doi.org/10.1007/s00115-013-3961-y
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- Diskutiert neurobiologische Mechanismen (insbesondere im limbischen System), die Panikattacken begünstigen.
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- Übersicht zur Rolle des Serotoninsystems bei der Panikstörung: beteiligt, aber nicht als einfacher Mangel erklärbar.
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- Zeigt das gehäufte gemeinsame Auftreten von Schilddrüsenerkrankungen und Angststörungen.
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- Vorstellung einer Skala zur Bewertung des Schweregrads der Panikstörung.
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- Vergleicht Kosten und Nutzen verschiedener Behandlungen bei Panikstörung.
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- Overview of diagnosis and drug treatments of anxiety disorders. CNS Spectrums, 10(1), 49–56. https://doi.org/10.1017/S1092852900009901
- Zusammenfassender Artikel über Diagnose und medikamentöse Behandlung von Angststörungen.
- Janhsen, K., Roser, P. & Hoffmann, K. (2015).
- Probleme der Dauertherapie mit Benzodiazepinen und verwandten Substanzen. Deutsches Ärzteblatt, 112(1–2), 1–7. Zum Artikel
- Erläutert, warum Benzodiazepine nur kurzzeitig verordnet werden sollen.