Durch Unfälle im Haushalt, beim Sport oder im Straßenverkehr kommt es häufig vor, dass die Haltebänder unseres Genicks überdehnt werden. Wir sprechen dann in aller Regel von einem Halswirbelsäulen-Trauma (HWS-Trauma) oder auch von einem Schleudertrauma. Unser Nacken ist dann eine Zeit lang nicht mehr so stabil, wie er sein sollte, und büßt dadurch einen Teil seiner Schutzfunktion für die Hirnnerven und die Blutversorgung des Gehirns ein.

Blutgefäße, die durch eine falsche Bewegung des „angeknacksten“ Nackens eingeklemmt werden, können das Gehirn nicht mehr optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Die Folge sind Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Wahrnehmungsstörungen. Auch Reizungen verschiedener Gehirnnerven, die ebenfalls durch einen instabilen Nacken verursacht werden, sind alles andere als harmlos. Der Facharzt für Innere Medizin, Dr. Bodo Kuklinski, und die Biologin Dr. Anja Schemionek zählen in ihrem bemerkenswerten Buch „Schwachstelle Genick“  eine ganze Reihe von Symptomen auf, die in so einem Fall auftreten können. Dazu zählen unter anderem:

  • unscharfes oder verschleiertes Sehen
  • vermehrtes Auftreten von Schwindel oder Übelkeit
  • wiederholt vorkommende Taubheitsgefühle in Armen oder Händen
  • vermehrtes Auftreten von Kopfschmerzen
  • plötzlich auftretendes Schwitzen
  • plötzlich auftretende Schlafstörungen

Alles Symptome, die auch ganz typisch für eine Angststörung sind. Übrigens müssen diese Symptome nicht unmittelbar nach einer Stauchung oder Überdehnung des Nackens auftreten, sondern können auch mit einigen Stunden oder gar Tagen Verzögerung auftauchen.

Wenn Ihnen die Angst im Nacken sitzt

Besonders, wenn der Nervus Sympathicus gereizt ist (das ist der Nerv, der für unsere Flucht-Impulse zuständig ist), kommt es zu Symptomen, die Angstpatienten nur allzu gut kennen: Herzrasen, Bluthochdruck, eine viel zu schnellen Atmung, Verdauungsstörungen, übermäßiges Schwitzen und Herzstolpern.

Auch Schwindelattacken und Tinnitus sind in etwa 40% aller Fälle auf Probleme mit der Halswirbelsäule zurückzuführen (Quelle ndr / Ratgeber Gesundheit). Allerdings ist es in diesem Fall nicht der Nervus Sympathicus, der gereizt ist, sondern der Nervus Vagus. Falls also bei Ihnen Nackenproblemen und das Auftreten von Schwindel oder Tinnitus zeitlich nahe beieinander liegen, sollten Sie auf jeden Fall ihren Hausarzt darauf ansprechen.

Diese Maßnahmen sorgen oft schnell für Linderung

Falls auch bei Ihnen ein Halswirbelsäulen-Trauma als mögliche Ursache für Ihre Probleme in Frage kommt, habe ich ein paar Tipps für Sie:

 Tipp 1:

Schonen Sie Ihren Nacken. Es ist extrem wichtig, eine potentiell vorhandene Reizung nicht noch schlimmer zu machen. Vermeiden Sie Sportarten, bei denen die Wirbelsäule oder der Kopf durch Schläge oder Stöße stark belastet werden, solange, bis die Haltebänder im Genick wieder vollständig genesen sind. Hierzu zählen vor allem:

  • nahezu alle Kampfsportarten
  • Rugby, Fußball, Beachvolleyball
  • Skifahren, Snowboardfahren, Eishockey
  • Motocross, Kartfahren
  • Reiten

Wie lange überdehnte Haltebänder des Nackens benötigen, um Ihre Schutzfunktion wieder in vollem Umfang zu erfüllen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Rechnen Sie jedoch vorsichtshalber mit wenigstens 6 Wochen, in denen Sie besonders belastende Sportarten vermeiden sollten.

Jetzt gar keinen Sport mehr zu machen, wäre aber grundfalsch. Denn ausreichend Bewegung ist eine der Grundvoraussetzungen, damit Sie das sogenannte BDNF-Protein produzieren können. Dieses Eiweiß ist einer der wichtigsten Baustoffe unseres Gehirns – und nur wenn wir diesen in ausreichendem Maße zur Verfügung haben, ist auch unsere psychische Gesundheit gewährleistet. Schonen bedeutet also keineswegs, gar nichts mehr zu machen, sondern vielmehr, eine Zeit lang zu sanfteren Sportarten wie z.B. Walken, Skilanglauf oder Bergwandern zu wechseln.

Tipp 2:

Stellen Sie die Mobilität und Stabilität Ihrer Halswirbelsäule wieder her. Hierfür können Sie z.B. behutsam isometrische Übungen machen. Ebenfalls hilfreich wäre der Besuch einer therapeutischen Praxis, die sich auf einen der folgenden Bereiche spezialisiert hat: Craniosacral-Therapie, Feldenkrais-Therapie oder auch die meiner Meinung nach besonders empfehlenswerte Pohl-Therapie.

Tipp 3:

Möglichst KEINE Halskrause tragen. Das obligatorische Tragen einer Halskrause wird üvon vielen Medizinern inzwischen äußerst kritisch gesehen. Zwar verhindert diese ein weiteres Überdehnen der ohnehin schon geschädigten Haltebänder, allerdings zahlen die Betroffenen dafür einen hohen Preis. Denn bereits nach zwei Tagen bildet sich dadurch die Muskulatur an Hals und Nacken zurück. Exakt diese Muskeln tragen aber (genau wie die Haltebänder) zum Schutz und zur Stabilisierung des Nackens bei. Deshalb ist es wichtig, den Kopf auch weiterhin ganz normal zu bewegen. Einzig sehr schnelle Bewegungen sowie zu starke Dehnungen sollten Sie für ein paar Wochen konsequent vermeiden.

Zinkmangel als Ursache weiterer Erkrankungen

Kommt es in Folge eines Halswirbelsäulen-Traumas zu einer länger anhaltenden Reizung des Nervus Sympathicus, entsteht ein Teufelskreis, der schon so machen Arzt auf die falsche Fährte gelockt hat. Nicht selten werden dann jahrelang nur die Folgeerscheinungen einer Nervenreizung in der Halswirbelsäule therapiert, während die eigentliche Ursache unbehandelt bleibt. Bei wiederholter Reizung des Sympathicus scheidet der Körper nämlich zu viel Magnesium, Kalium und Zink über den Urin aus. Dies führt früher oder später zu Muskelkrämpfen, Herzrhythmusstörungen, Nachtblindheit und Verdauungsstörungen. Zudem kann ein so ausgelöster Zinkmangel auf Dauer zu weiteren Erkrankungen führen, wie Dr. Kuklinski und Dr. Schemionek in ihrem Buch „Schwachstelle Genick“ wie folgt beschreiben:

Ein Zinkmangel beeinträchtigt auch die Vitamine B1 (Energiestoffwechsel) und B6 (Aufbau von Aminosäuren für Proteine), vermindert den Schutz des Körpers gegen aggressive Stoffe (Radikale), steigert die Bildung des weiblichen Hormons Östrogen und vermindert die Wirksamkeit von Verdauungsenzymen im Darm, so dass die Problematik der Verdauungsstörungen weiter verstärkt wird. Wenn diese lang bestehen, können auch Krankheiten wie Reizdarm, Unverträglichkeiten gegen viele Lebensmittel oder entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) auftreten.

Wer nun jedoch meint, er könne alldem begegnen, indem er einfach regelmäßig Zinktabletten schluckt, der sei gewarnt: Oft verträgt ein so angeschlagener Körper Zinktabletten nicht ohne weiteres. Zudem mangelt es in aller Regel nicht nur an einem Stoff, sondern vielmehr ist das Gleichgewicht an Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren, Vitaminen und Fettsäuren aus der Balance geraten.

Mikronährstoffe helfen nur, wenn Sie richtig angewendet werden

Grundsätzlich gilt: Regulieren Sie einen vermeintlichen Mangel an einem dieser Stoffe nicht auf eigene Faust. So verlockend die Angebote diverser Kombipräparate in Apotheken, Drogeriemärkten und im Internet auch sind – sie decken nur in den allerseltensten Fällen genau den Mangel ab, der womöglich bei Ihnen herrscht. Sie gehen ja auch nicht einfach in ein Bekleidungsgeschäft, ohne Ihre Größe zu kennen und zu wissen, welche Farbe ihnen steht, und ziehen dann das erstbeste an, was dort zufällig angeboten wird. Holen Sie sich hier besser den Rat eines erfahrenen Mediziners, der sich mit Orthomolekular-Medizin auskennt.

Dieser Blogartikel ist auch als Audio-Podcast verfügbar

Folge 35 ab sofort kostenlos abrufbar unter:

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Über den Autor

Klaus Bernhardt

Klaus Bernhardt leitet in Berlin das Institut für moderne Psychotherapie. Er ist Autor der beiden Spiegelbestseller: „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ sowie „Depression und Burnout loswerden“. Seine Bücher wurden bislang in 18 Sprachen übersetzt und haben bereits unzähligen Menschen dabei geholfen, aus eigener Kraft psychische Probleme zu überwinden. Klaus Bernhardt ist Mitglied der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement (AFNB) und ehrenamtlicher Moderator in der Initiative neues Lernen (INL).